Gedenkfeierlichkeiten zur Reichspogromnacht

Helene Grass und Lutz Rademacher rezitierten Lyrik und Lieder

Detmold. Mit Gedenkfeierlichkeiten wurde am 9. November an die Reichspogromnacht von 1938 erinnert. Am Gedenkstein am Platz der zerstörten Neuen Synagoge in der Lortzingstraße legten die evangelische und katholische Jugend zur Erinnerung einen Kranz nieder. Anschließend begrüßte Bürgermeister Rainer Heller die Detmolder Bürgerinnen und Bürger sowie die europäischen Gäste der internationalen Netzwerkkonferenz "On Tour for Europe" zur Gedenkfeier an der Alten Synagoge.

"Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und seine Zukunft gestalten!" Mit einem Zitat von August Bebel betonte Bürgermeister Rainer Heller in seinem Grußwort die Wichtigkeit des Erinnern und Gedenkens: "Für mich gibt es zu Gedenkveranstaltungen wie dieser keine Alternative. Sie stärken uns, für Demokratie, Toleranz und Menschenwürde einzustehen." Wie aktuell das Thema immer noch ist, verdeutlichte die Detmolder Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz, als sie in ihrer Gedenkansprache (DEU)/commemorative speech (ENG) auf den Detmolder Auschwitz-Prozess einging und von den bewegenden Begegnungen und Gesprächen mit den Zeitzeugen berichtete, die in der Verhandlung ausgesagt haben. Anschließend verlasen Auszubildende der Stadt Detmold die Namen und Biografien von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die dem Holocaust zum Opfer fielen.

"Was für immer verloren ging"

Eingebettet in die Gedenkfeierlichkeiten war eine musikalische Lesung von der Schauspielerin Helene Grass und von Lutz Rademacher, Generalmusikdirektor des Landestheaters Detmold. In voll besetztem Rathaussaal rezitierten sie unter dem Titel "Was für immer verloren ging" Lyrik und Lieder aus der kulturellen Blütezeit Berlins vor der Machtergreifung. Erich Kästners "Weihnachtslied, chemisch gereinigt" verflocht sich mit "Wenn ick mal tot bin" von Friedrich Hollaender, Mascha Kalékos "Memento" und anderen Texten von vorwiegend jüdischen Berliner Künstlern zu einem Abend mit ernsten, aber auch humorvollen und kokettierenden Tönen im Berliner Dialekt.

 

Ins Englische übersetzt wurde die Gedenkansprache von Gudrun Mitschke-Buchholz freundlicherweise von Heike Fiedler M.A.