Opfer und Täter - Schatten der Vergangenheit

Der "Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus" - seit 1996 ein nationaler Gedenktag am 27. Januar - ist für die Erinnerungs- und Gedenkkultur in Detmold ein wichtiges Datum: Zur Erinnerung an die Auschwitz-Befreiung von 1945 findet jedes Jahr eine Veranstaltungsreihe rund um den 27. Januar statt. In diesem Jahr stehen die Veranstaltungen unter dem Motto "Opfer und Täter - Schatten der Vergangenheit". Die Detmolder Opfer des Nationalsozialismus' werden in den Fokus gerückt, aber auch auf Täterbiografien wird ein besonderes Augenmerk gelegt, insbesondere auf die von Jürgen Stroop, der verantwortlich war für die brutale Zerstörung des Warschauer Ghettos.

Ausgerichtet wird die zentrale Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2017 um 10:30 Uhr vom Felix-Fechenbach-Berufskolleg, bei der auch Nachfahren Felix Fechenbachs - ein Journalist, der ab 1929 in Detmold lebte und arbeitete - zu Wort kommen werden.

Den Auftakt zur Veranstaltungsreihe bildet am 11. Januar die Ausstellung "Der alte jüdische Friedhof in Detmold. Grabsteine, die Geschichten erzählen" im Detmolder Rathaus. Neben einem Vortrag von Wilhelm Heitmeier, Konflikt- und Gewaltforscher der Universität Bielefeld, und einem Konzert mit Liedern jüdischer Komponisten aus den 1920er und 30er Jahren gibt es zahlreiche weitere Vorträge, Lesungen und Ausstellungen. Das vollständige Programm kann über den folgenden Link abgerufen werden: Programm zur Veranstaltungsreihe 27. Januar 2018.

Ausstellung: "Der alte jüdische Friedhof in Detmold. Grabsteine, die Geschichten erzählen"

Foto: Ulrich Heinemann

Ausgewählte Fotografien der 99 erhaltenen Grabsteine des alten jüdischen Friedhofes sind Gegenstand der Ausstellung, die von Bürgermeister Rainer Heller am 11. Januar offiziell eröffnet wurde. Den Einführungsvortrag  hielt Dr. Andreas Ruppert, Stadtarchivar a. D.

Der alte jüdische Friedhof an der heutigen Richthofenstraße/Spitzenkamptwete wurde erstmals 1724 erwähnt und bis 1880 belegt. Eine Tafel an der hohen Stützmauer erinnert an diesen historischen Ort in Detmold. 1939 musste das Gelände an die Stadt veräußert werden. Anfang der 1950er Jahre wurden die 99 erhaltenen Grabsteine und die nicht verwesten Gebeine begleitet von einem Rabbiner auf den 1883 neu angelegten Friedhof an der oberen Spitzenkamptwete umgebettet. Das Gelände wurde 1954 eingeebnet.

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e. V. hat im Rahmen eines Dokumentationsprojekts von dem bekannten Detmolder Fotografen Ulrich Heinemann die 99 Grabsteine mit Zustimmung der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold ablichten lassen.

Die schwierigen hebräischen Texte wurden im Auftrag der Gesellschaft von Nathanja Hüttenmeister, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts für Deutsch-Jüdische Geschichte in Essen, fachkundig übersetzt und teilweise erläutert. Jeder Stein erzählt seine individuelle Geschichte. Diese Übersetzungen hat die Gesellschaft auf ihrer Internetseite - Link zur Seite der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe e. V. - veröffentlicht. Die Ausstellung präsentiert ausgewählte Fotografien.

Die Ausstellung ist vom 11. Januar bis zum 16. Februar 2018 montags bis donnerstags von 08:00 bis 17:00 Uhr und freitags von 08:00 bis 13:00 Uhr im Detmolder Rathaus zu besichtigen.

Irgendwo auf der Welt...

Jüdische Komponisten der 1920er und 30er Jahre

Konzert mit Monika Rey und Eva Schüttler

Sonderbar, wie von nun an die Wörter Wunsch und Sehnsucht in den Texten wiederkehren werden. In der Musik ohnehin. Nicht auszurotten werden die Harmonien sein, die sich nicht auflösen wollen, unstillbar das Schwanken zwischen Dur und Moll. (Friedrich Hollaender)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Holocaustgedenktag präsentieren Monika Rey (Gesang) und Eva Schüttler (Klavier) am 3. Februar in der neuen Aula des Grabbe-Gymnasiums jüdische Komponisten der 1920er und 1930er Jahre.

In der Zwischenkriegszeit der 20er und 30er Jahre prägten die Chansons und Lieder jüdischer Komponisten maßgeblich die populäre Musik jener Zeit. Sie schrieben keine "jüdische" Musik, sie waren als Deutsche Teil der damaligen deutschen Musik- und Kunstszene und gaben der zeitgenössischen Vorstellung von liberaler Weltläufigkeit und Lebensart eine Stimme. Wie wenige sonst waren Komponisten wie Werner Richard Heymann, Friedrich Holländer, Mischa Spoliansky und Kurt Weill in der Lage, mit ihrer besonderen Sicht auf die Welt das Wesentliche im Leben ihrer Mitmenschen zu erkennen und musikalisch in Lieder, Couplets oder Chansons zu verwandeln. Ihre mit großem Können und Liebe zum Publikum geschaffenen Lieder treffen die Seelen der Menschen bis heute.

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus' wurden ihre Schicksale zu "Fußnoten" dieser dunklen Zeit. Viele sahen sehr bald keinen anderen Ausweg mehr als die Emigration. Als Flüchtlinge überall auf der Welt verstreut und entwurzelt, war nur noch die Musik ihre Heimat, deshalb komponierten sie auch im Exil weiter. Allerdings häufig ganz andere Lieder als in den ausgelassenen und lebensfrohen 20er Jahren: Lieder von Sehnsucht, Hoffnung, Heimweh und Traurigkeit.

Monika Rey und Eva Schüttler haben ein Programm zusammengestellt, das sowohl die bis heute weltberühmten Hits aus der Zeit der goldenen 20er als auch die weniger populären Stücke aus der Zeit der Emigration dieser Komponisten in Erinnerung bringt. Monika Rey lässt die Zuhörer mit ihrer außergewöhnlichen Stimme und ihrer ausdrucksstarken Interpretation die so unterschiedlichen Gefühlswelten dieser Lieder noch einmal miterleben, während Eva Schüttler mit ihrem variantenreichen Spiel den Klang jener Zeiten mit einem unverkennbar eigenen Stil vermittelt.

"Irgendwo auf der Welt" , 3. Februar 2018 um 19:30 Uhr
Jüdische Komponisten der 1920er und 30er
Monika Rey (Gesang) und Eva Schüttler (Klavier)
Grabbe-Gymnasium - Neue Aula, Küster-Meyer-Platz 2, Detmold

Eintritt VVK: 10,00 Euro; AK: 12,00 Euro

Ermäßigung für: Ermäßigung VVK 8 Euro, AK 10 Euro für: Schüler, Studenten bis 28 Jahre, Auszubildende, Inhaber eines Sozialpasses, Inhaber der Ehrenamtskarte Detmold, Schwerbehinderte ab GdB 80 % | Karten sind online unter www.reservix.de, in der Tourist-Information Detmold und allen LZ-Geschäftsstellen erhältlich

Autoritärer Nationalradikalismus als politisches Wachstumsmodell?

Vortrag von Wilhelm Heitmeyer

Der Wahlerfolg der AFD und die große Resonanz auf einen rabiaten Rechtspopulismus waren keine plötzlich eintretenden Ereignisse. Die liberale Demokratie ist bedroht - von innen wie von außen. Im Gefolge der fortschreitenden deregulierten Globalisierung breitet sich ein autoritärer Kapitalismus aus, der einen erheblichen Kontrollgewinn über die Gesellschaften erzielt.

In Teilen der Bevölkerung wird dies und die zunehmende Komplexität der Welt außerdem so wahrgenommen, dass sie auch selbst Kontrolle verlieren - über die eigene Biografie wie über die Politik. Das führt bei ihnen zu einer Demokratie-Entleerung und zu Desintegration. Dadurch wächst die Gefahr, dass diese Menschen ihr Heil bei den Rechten suchen, die ihnen versprechen, ihnen die Kontrolle zurückzugeben.

Das geht auf Kosten aller schwachen Gruppen in der Gesellschaft. Der Rechtspopulismus nutzt diese Abwertungseffekte, indem er mit einfachen Weltbildern voller Gegensätze arbeitet. Da heißt es dann Volk versus politische Eliten, Verklärung der deutschen Geschichte versus historische Aufklärung, deutsche Überlegenheit versus Unterlegenheit anderer Völker, Identität versus "Überfremdung" und Diversität. Das ökonomistische Denken wie auch die Betonung kultureller Überlegenheit im Sinne einer Ideologie der Ungleichwertigkeit geht durch alle Schichten; der Erfolg der rassistischen Thesen Thilo Sarrazins vor einigen Jahren kann als Fanal einer politischen Enthemmung gesehen werden, die sich aus verschiedenen Gründen speist.

Im analytischen Vortrag des bekannten Konflikt- und Gewaltforschers Wilhelm Heitmeyer werden die aktuellen Konjunkturen eines autoritären Nationalradikalismus hinsichtlich ihrer Entstehungskontexte, Motivlagen und Wirkungszusammenhänge untersucht und zur Diskussion gestellt.

Vortrag mit Diskussion am 25. Januar, 19.30 Uhr
Stadthalle Detmold, Kleiner Festsaal (freier Eintritt)