Detmold und das Warschauer Ghetto

Ausstellung im Landesarchiv verlängert bis zum 30. Mai 2018

Jürgen Stroop als Gefangener der Alliierten (Stadtarchiv Detmold)

32 Stelen erinnern an die Detmolder Opfer im Warschauer Ghetto

Kennen Sie Jürgen Stroop? Und was hat Detmold mit dem Warschauer Ghetto zu tun? Antworten auf diese Fragen gibt die Ausstellung "Detmold und das Warschauer Ghetto", die noch bis zum 27.April in den Räumen des Landesarchivs NRW, Abteilung OWL in der Willi-Hofmann-Straße 2 gezeigt wird.

Konzipiert wurde die Ausstellung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Erinnern und Gedenken" zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar von Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink in enger Kooperation mit der Archivpädagogin des Landesarchivs Heike Fiedler. Als das Warschauer Ghetto im April 1943 aufgelöst werden sollte, war es der Detmolder SS- und Polizeiführer Jürgen Stroop, der diese "Aktion" leitete. 56.000 Menschen wurden dabei umgebracht. Stroops Bericht mit dem Titel "Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr!" dokumentiert sein brutales Vorgehen. Über den Täter Jürgen Stroop, aber vor allem über die 32 Opfer aus Detmold informiert die Ausstellung.

Die deutschen Besatzungstruppen hatten nach dem Überfall auf Polen 1940 in Warschau ein Ghetto eingerichtet. Auf engstem Raum wurden insgesamt eine halbe Millionen Menschen eingepfercht, zunächst polnische Juden, später auch Juden aus dem Deutschen Reich - auch aus Lippe und 32 Menschen aus Detmold. Im Rahmen der "Endlösung der Judenfrage" sollte das Ghetto aufgelöst und die Menschen ins extra dazu eingerichtete Vernichtungslager nach Treblinka gebracht werden. Am 19. April 1943 begann die Räumung des Ghettos. Himmler hatte den als durchsetzungsstark geltenden SS-Brigadeführer Jürgen Stroop zum Leiter dieser "Aktion" bestimmt. Als es zu bewaffnetem Widerstand kam, setzte Stroop schwere Geschütze ein. Die Menschen im Ghetto hatten keine Chance gegen die deutsche Übermacht.

Jürgen Stroop erklärte die "Aktion" am 16. Mai 1943 mit der Sprengung der Großen Synagoge für beendet. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich Jürgen Stroop vor einem US-Militärgericht wegen der Ermordung amerikanischer Flieger verantworten. Nach Beendigung des Prozesses wurde er nach Polen ausgeliefert. Dort hat ihn das höchste polnische Gericht für seine Verbrechen im Warschauer Ghetto zum Tode verurteilt.

Die Ausstellung wurde verlängert bis zum 30.Mai 2018 im Landesarchiv NRW/Stadtarchiv Detmold, Willi-Hofmann-Str. 2. (Mo 8-19 Uhr, Di-Do 8-16 Uhr, Fr 8-13 Uhr) Führungen durch die Ausstellung und archivpädagogische Projekte auf Anfrage (05231/766-0).