Hexenverfolgung in Detmold

Nicht nur in der Stadt Lemgo, sondern auch in der übrigen Grafschaft Lippe kam es in der Frühen Neuzeit zu Hexenverfolgungen (die Opferzahl in Lemgo entspricht in etwa der Zahl im Restgebiet von Lippe).

Unter diesem Link finden Sie eine Kurzinformation über die Verfolgungen in Detmold: Kurzinfo Hexenverfolgung in Detmold

Das war im Jahr 2012 der Anlass für eine Veranstaltungsreihe der evangelisch-reformierten Klasse Blomberg in der Lippischen Landeskirche, gemeinsam mit der Landeskirche dieses Thema aufzuarbeiten. Als Ergebnis entstand die sog. Blomberger Erklärung vom 13.Mai 2012, die von Vertretern der lippischen Kirchen getragen wird. In dieser Erklärung werden die damaligen Verfolgungen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit festgestellt.

Unter diesem Link finden Sie die Blomberger Erklärung: Blomberger Erklärung

In Detmold erfolgte ein Bürgerantrag an den Bürgermeister und den Rat der Stadt, die Verfolgungen in der Stadt Detmold als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuerkennen und den Opfern ein ehrendes Gedenken zuteil werden zu lassen. Der Rat stimmte dem Antrag am 12. Juni 2012 zu und beschloss, das Gedenken an die Opfer in die Erinnerungskultur der Stadt aufzunehmen.

Unter diesem Link finden sie den Detmolder Ratsbeschluss: Detmolder Ratsbeschluss 2012

Daraufhin gründete sich der "Arbeitskreis Hexenverfolgung in Detmold". Er ist eine Gruppe im Ortsverein Detmold im Lippischen Heimatbund und kooperiert mit der Lippischen Landeskirche, der VHS Detmold-Lemgo und der Stadt. Dabei geht es nicht nur um Aufklärung und Versöhnung mit der Vergangenheit, sondern auch um Sensibilisierung für die Themenbereiche Ausgrenzung von Minderheiten, Gewalt gegen Frauen, Andersdenkende, Andersgläubige und Andersaussehende heute.

Kontaktaufnahme:

Martin Hankemeier, Tel. 05231/302285
oder
E-Mail des Arbeitskreises: akhexenverfolgung-detmold@gmx.de

Aktuelles

Vortrag vom März wird nachgeholt!

"Kinder und Jugendliche in den Hexenprozessen der Frühen Neuzeit"
Montag, 09. September 2019
19:30 Uhr - 21:00 Uhr
Ort: Stadtarchiv Detmold im Haus des Landesarchivs NRW, Abt. OWL, Willi-Hofmann-Straße 2

Referentin: Dr. Rita Voltmer, Universität Trier

Gebühr: 5€, Ermäßigung möglich

Der im März wegen Krankheit abgesagte Vortrag wird jetzt nachgeholt! Mehr Informationen stehen hier:
Link zum Programm 2019

Die moderne Hexenjagd im Internet

Vortrag: Kommunikstionswissenschaftler Fabian Prochazka erklärt das Phänomen der Online-Hasskommentare

Sind Hasskommentare im Internet eine neue Form der Hexenverfolgung im digitalen Zeitalter? Dieser Frage ging der Kommunikationswissenschaftler Fabian Prochazka (Hohenheim) auf Einladung des Bildungsreferats der Lippischen Landeskirche in Kooperation mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg (DBB) in der Mensa des DBB auf den Grund. In seinem Vortrag "Digitaler Hass - Die 'Hetz' im Netz" zeigte er auf, wie sich Menschenverachtung in den sozialen Netzwerken verbreiten kann.

Der "Arbeitskreis Hexenverfolgung" des Ortsvereins Detmold im Lippischen Heimatbund, der jedes Jahr mehrere Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer der Hexenverfolgung in Detmold initiiert, befasst sich seit vielen Jahren mit den Verbrechen, die in der Frühen Neuzeit gegen vermeintliche Hexen und Hexenmeister begangen wurden. Wie passt das zeitgenössische Phänomen von Internethass und Online-"Fake News" da hinein?

Fabian Prochazka sieht eine Analogie: "Damals wurden aus Irrglaube und Fehlinformation fürchterliche Verbrechen begangen von Menschen, die sich fälschlicherweise im Recht fühlten", meinte er. "Das trifft auch heute auf Hasskommentare und Anfeindungen gegen Flüchtlinge zu."

Ob die Forderung, vermeintlich straffällig gewordenen Flüchtlingen die Hände abzuhacken und über Syrien abzuwerfen oder der Rat, für das "Pack" bitte "noch einmal" die Öfen anzumachen: In der Anonymität des Internets seien Rassismus und Hass an der Tagesordnung. Rund zehn Prozent der Kommentare auf "Facebook" sowie den Nachrichtenseiten von "Spiegel" und "Bild" enthielten direkte Beleidigungen, mehr als jeder dritte Beitrag beruhe zudem auf Stereotypen und Vorurteilen. Themen aus den Bereichen Politik und Wirtschaft seien allgemein besonders umstritten, hätten jedoch mit der sogenannten Flüchtlingswelle ab 2015 ein neues Level erreicht: "Die Diskussionen entgleisen so häufig, dass mittlerweile viele journalistische Angebote auf Facebook auf das Flüchtlingsthema verzichten."

Durch die Partizipationsmöglichkeiten der neuen Medien seien alte Sender-Empfänger-Modelle, in denen journalistische Medien die einzige Informationsquelle für die Bürger darstellten, aufgebrochen. Hinzu komme die Technik der algorithmischen Personalisierung: Anhand des Nutzerverhaltens optimiere das System die Auswahl der in "Facebook" oder "Google" dargestellten Inhalte nach den jeweils individuellen Interessen und Einstellungen - eine "Filterblase" entstehe. Durch das Fehlen dissonanter Inhalte sehe sich der Nutzer so in seiner Meinung bestätigt. Dabei gehe der Großteil der Online-Kommentare tatsächlich auf eine sehr kleine Gruppe zurück, die aber laut vorgehe und dadurch sichtbar werde. Seriöser Journalismus hingegen erlebe eine Vertrauenskrise in Teilen der Bevölkerung. Dabei ist eine ausgewogene, wahre Berichterstattung für Prochazka wichtiger denn je. Zudem sei das Problem eine Bildungsfrage, und zwar unabhängig von den jeweiligen Technologien. Ausgrenzung und Hass seien kein neues Online-Phänomen - wie schon die Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit zeigten.

Die Aktivitäten und Veranstaltungen des Arbeitskreises Hexenverfolgung 2019

Link zum Programm 2019

Die Aktivitäten und Veranstaltungen des Arbeitskreises Hexenverfolgung 2018

Link zum Programm 2018

Die Aktivitäten und Veranstaltungen des Arbeitskreises Hexenverfolgung 2017

Link zum Programm 2017