Zentrale Gedenkfeier am 27. Januar und Gesamtprogramm

In Erinnerung an die Auschwitz-Befreiung 1945 finden auch in diesem Jahr wieder verschiedene Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Detmold statt. Den 27. Januar, den Jahrestag der Befreiung des Vernichtungs- und Konzentrationslagers Auschwitz, hatte der Bundespräsident Roman Herzog 1996 zum "Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus" erklärt. Roman Herzog wollte, dass die Erinnerung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus nicht endet, sie soll auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.

In Detmold wird die zentrale Gedenkveranstaltung am 27. Januar in diesem Jahr vom Stadtgymnasium vorbereitet und durchgeführt

Den Flyer mit dem Rahmenprogramm finden Sie hier

Filmmatinee "Wir wollen leben"

Filmmatinee: "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben" (Deutschland 2017)

Sonntag, 2. Februar 2020, 11.30 Uhr, Filmwelt Detmold, Lange Straße 74

Eintritt 5 €

Einführung: Gudrun Mitschke-Buchholz (Stadtarchiv Detmold)

Detmold. Im Juni 1943 wurde die Reichshauptstadt Berlin offiziell und wider besseres Wissen als "judenrein" erklärt. Denn etwa 7000 Jüdinnen und Juden hatten zu diesem Zeitpunkt und mitten in den stärksten Verhaftungswellen den Weg in den Untergrund gewählt. Der Film "Die Unsichtbaren - wir wollen leben" von Claus Räfle aus dem Jahr 2017 widmet sich beispielhaft vier dieser Untergetauchten: Es waren junge Leute wie Hanni Lévy, Cioma Schönhaus, Ruth Arndt-Gumpel und Eugen Friede, die ihre Identitäten ablegten, sich fortan in immer wieder andere Unterkünften verstecken mussten und auf abenteuerlichen Wegen den NS-Schergen entkamen. Spielszenen, die auf den Erlebnissen der vier Protagonisten basieren, wechseln mit beeindruckenden Interviews dieser Zeitzeugen. Deren Überleben hing existentiell von ihren Helfern ab, die ihr eigenes Leben und auch das ihrer Angehörigen riskierten, um den Verfolgten und Gejagten zu helfen und ihr Leben zu retten. Beide, die Unsichtbaren und ihre selbstlosen Retter, erfahren durch dieses Doku-Drama eine angemessene, wenn auch späte Würdigung.

Info: Stadtarchiv Detmold 05231/766-110

„Zwangssterilisation und ‚Euthanasie‘ im Nationalsozialismus und ihre Aufarbeitung in OWL“

Veranstaltung "Zwangssterilisation und 'Euthanasie' im Nationalsozialismus und ihre Aufarbeitung in OWL" am 4. Februar 2020, 18 Uhr

Veranstaltung des Landesarchivs NRW, Abt. OWL und des Stadtarchivs Detmold, Willi-Hofmann-Str. 2, 32756 Detmold

Detmold. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Seit 1996 wird bundesweit dieser Befreiung gedacht. Auch das Landesarchiv NRW Abt. OWL und das Stadtarchiv Detmold beteiligen sich regelmäßig daran.

In diesem Jahr steht eine Vortragsveranstaltung im Fokus, die sich mit einer lange vergessenen Opfergruppe beschäftigt: Menschen mit Behinderung wurden in der NS-Zeit als "unwertes Leben" deklariert. In der Nachkriegszeit dauerte es Jahrzehnte, bis begangenes Unrecht anerkannt wurde.

Als Referenten einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung konnten Michael Spehr, Archivar der Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen, Dr. Uwe Kaminsky, Historiker an der Ruhr-Universität Bochum und Magret Hamm, Vorsitzende des Bundes der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten aus Berlin, gewonnen werden.

Vorträge

 

  • Michael Spehr: Zwangssterilisierung und "Euthanasie" auf dem Wittekindshof: "Eine Vernichtung, wenn auch unwerten Lebens, bezeichne ich als ,Mord'"
  • Dr. Uwe Kaminsky: Paternalistische Verschwiegenheit - Bethel, die Zwangssterilisation und NS-"Euthanasie"
  • Margret Hamm: Zwangssterilisierte und "Euthanasie"-Opfer zwischen Stigmatisierung und Ausgrenzung im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik

Info: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abt. OWL, 05231/766-0

Stadtarchiv Detmold 05231/766-110

Lesung mit Musik „Faschist werden – eine Anleitung!“

ACHTUNG WICHTIGER HINWEIS! 
DIE KOSTENLOSEN EINTRITTSKARTEN SIND ALLE RESTLOS VERGRIFFEN!

Freitag, 7. Februar 2020 um 19:30 Uhr

Ort: Rathaus am Markt, großer Sitzungssaal

  • Grit Asperger, Schauspielerin und Theaterpädagogin
  • Kim Efert, Jazzgitarre (Hochschule für Musik Detmold)
  • Patrick Hellenbrand, Schauspieler (Landestheater Detmold)

Veranstalter: Stadt Detmold in Kooperation mit der Buchhandlung Kafka&Co

Wichtiger Hinweis zum Einlass!

Der Eintritt ist frei! Aus organisatorischen Gründen erfolgt der Einlass aber nur mit Eintrittskarte. Die kostenlosen Eintrittskarten gibt es in der Buchhandlung Kafka&Co

Ja, die liberale Demokratie ist mühsam, fehlerhaft und instabil. Entscheidungsprozesse sind langwierig, kompliziert und teuer, politische Parteien oft kaum zu unterscheiden. So viele Beteiligte müssen gefragt, möglichst alle Minderheiten einbezogen werden. Wäre da eine volksnahe kraftvolle Führung mit großer Entscheidungsfreiheit nicht wirkungsvoller? Ist der Faschismus, der die Kräfte des Volkes bündeln will, nicht effizienter in der Durchsetzung zentraler Ziele für das gesellschaftliche Zusammenleben? Oder warum sonst wurden in jüngster Zeit so viele rechtspopulistische Regierungen gewählt?

Michela Murgia, eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Italiens (Accabadora) hat eine provozierende Polemik über die italienische und europäische politische Gegenwart verfasst - durchaus aussagestark auch für Deutschland. Auch hier sollen politische Gegner, wenigstens rhetorisch, "gejagt" oder "entsorgt" werden. Geschichtsrevisionistische Vorstöße häufigen sich, sozial Schwache werden gegen Geflüchtete ausgespielt. Und: der Grat zwischen solidarischem und reaktionärem Denken ist oft schmaler als gedacht - auch in uns selbst.

Die Lesung mit Musik ist provokant, kritisch und selbstreflexibel, die - durchaus immanent logisch - faschistische Argumentationsmuster nachzeichnet und anregt, das eigene Denken und Empfinden damit abzugleichen. Diese konzise Herleitung faschistischer Denkmuster wird unterbrochen und gestört durch "unordentliche" oppositionelle Improvisationen auf der Elektrogitarre. Herz und Hirn sind gefordert. Die Veranstaltung wird organisiert von der Buchhandlung Kafka&Co in Kooperation mit der Stadt Detmold.