Pressemitteilung zum Gesamtprogramm 2015

Spuren - Erinnern - Mahnen

Unter dem Motto "Spuren-Erinnern-Mahnen" steht die diesjährige Veranstaltungsreihe am und um den Holocaust-Gedenktag in Detmold. Die zentrale Gedenkfeier am 27. Januar findet um 17 Uhr im Forum des August-Hermann-Francke-Gymnasiums in der Georgstraße 24 statt. Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrganges bereiten seit dem Sommer die Feierstunde vor, in deren Mittelpunkt Schuhe stehen werden: "Die Schuhe stehen als Symbol für Persönlichkeit und Individualität. Sie wurde den jüdischen Opfern spätestens genommen als sie in den Konzentrationslagern ankamen", erläutert ein Schüler bei der Vorstellung des Programms. Im ehemaligen KZ Auschwitz arbeiten noch heute Konservatoren, die unter anderem alte Schuhe konservieren, damit sie von ihren früheren Besitzern erzählen können. Margrit Bormann ist eine der Konservatoren und ein Zeitungsbericht über ihre Arbeit gab den Anstoß für die Rahmenhandlung der Theatercollage. Eine Kunstausstellung und eine Video-Installation runden die Gedenkfeier programmatisch ab.

Mit einem Vortrag über das Werk und das Leben von der Autorin Else Ury, die während des Nationalsozialismus zu den beliebtesten Autorinnen zählte und mit der Reihe "Nesthäkchen" bekannt wurde, startet die diesjährige Veranstaltungsreihe am Freitag, dem 23. Januar um 19:30 Uhr im Haus Münsterberg. "Mir kann doch nichts geschehen" glaubte die Jüdin Else Ury, doch auch sie wurde im KZ ermordet. Ein Büchertisch der Stadtbücherei Detmold ergänzt die Veranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe e.V.

Am 25. Januar findet um 10 Uhr ein Gottesdienst in der evangelisch-reformierten Kirche in Berlebeck statt, der von Konfirmanden im Rahmen von "Erinnern und Gedenken" gestaltet wird. Am Vorabend des Gedenktages veranstaltet der Detmolder Chor "cantus novus" am 26. Januar um 19:30 Uhr unter der Leitung von Hermann Jansen ein Gedenkkonzert "Friede auf Erden" gemeinsam mit Dr. Peter Schütze. Veranstaltungsort ist die Michaelkapelle an der Gedenkstätte der alten jüdischen Synagoge in der Exterstraße 8a.

Das Landesarchiv NRW, Abteilung OWL in Detmold widmet sich am 29. Januar ab 18 Uhr in zwei Kurzvorträgen zum einen den Opfern des Holocaust im öffentlichen Dienst am Beispiel der Bezirksregierungen Minden und Münster und zum anderen der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der frühen Bundesrepublik. Der Film "Im Labyrinth des Schweigens" greift diese Thematik auf. Am Montag, dem 2. Februar zeigt die Filmwelt Detmold den Film ab 19 Uhr mit einer thematischen Einführung von Dr. Andreas Ruppert, einem profunden Kenner des Auschwitz-Prozesses in Frankfurt 1963-1965.

Am 3. Februar um 11:30 Uhr lädt noch einmal das August-Hermann-Francke Gymnasium zu einer szenischen Lesung mit dem Hannoverschen Kammerspiel ein: "Ich hätte nie Arzt werden dürfen" zeigt Auszüge aus den Eichmann- Prozessen. In einer Lesung am 5. Februar mit dem geborenen Detmolder Jan Uplegger und Claudia Schwartz stehen ab 19:30 Uhr im Kleinen Festsaal der Stadthalle die Abschiedsbriefe zwischen Freya und Helmuth James von Moltke im Mittelpunkt. "Außer dem Leben können sie dir ja nichts nehmen" sind Zeugnisse von großem Mut, Überlebenswillen und strategischen Verstand, aber auch eine große Liebesgeschichte.

Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet eine Ausstellung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung im Detmolder Rathaus. "Lichter in der Finsternis" präsentiert das Leben und Wirken von Raoul Wallenberg und die Rettung der Budapester Juden 1944/1945 und das jüdische Leben in Budapest in Vergangenheit und Gegenwart. Sie wird am 11. Februar um 18 Uhr von dem Initiator der Ausstellung Christoph Glann eröffnet werden.

Ansprechpartnerin ist Petra Schröder-Heidrich, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Detmold unter 05231 / 977-646

Die zentrale Gedenkfeier am 27. Januar

Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus im August-Hermann-Francke-Gymnasium

Spuren-Erinnern-Mahnen

Eine bewegende Gedenkfeier gestalteten die Schülerinnen und Schüler des August-Hermann-Francke-Gymnasiums anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945

Ins Zentrum rückte der Literaturkurs unter der Leitung von Ulrich Niebuhr sie das Motiv der Schuhe, als stumme Zeugen der Gräueltaten, als letzte Spuren der Verfolgten und Ausgelöschten. Bei ihrer Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz mussten die jüdischen Opfer ihre Schuhe ausziehen. Mit ihnen wurden den Deportierten auch der letzte Rest an Persönlichkeit und Individualität genommen: Sie wurden vom Subjekt zum Objekt. „Ziehen wir uns heute einmal diese Schuhe an und folgen ihnen“, lud Niebuhr die Besucherinnen und Besucher im voll besetzen Forum ein. In einer Collage aus inszenierten Gedichten brachten die Schülerinnen und Schüler die Schrecken der NS-Vergangenheit auf die Bühne. Verbindendes Element in dieser Collage: die „Hüterinnen der hunderttausend Schuhe“, die Konservatorinnen, die heute in der Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau daran arbeiten, die Schuhe und damit die Erinnerung an die Vergangenheit zu erhalten.

„Noch können Überlebende und Zeitzeugen darüber berichten, aber sie werden weniger und deshalb es ist so wichtig, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät“, erklärte auch Bürgermeister Rainer Heller in seiner Ansprache. Nicht zuletzt die aktuellen politischen Ereignisse würden deutlich machen, dass Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Toleranz und ein friedliches Miteinander nicht selbstverständlich seien und jeden Tag neu verteidigt und gelebt werden müssten. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sei ein wichtiger Beitrag dazu, betonte auch Schulleiter Andreas Herms in seiner Rede. „Aus dem Erinnern ergibt sich ein Auftrag“, zitierte er Bundespräsident Joachim Gauck aus seiner Rede zum 27. Januar. Der Auftrag der Schule sei es, den Schülern diese grundlegenden Werte näher zu bringen.

Die Schülerinnen und Schüler müssten dazu aber auch ihren eigenen Weg der Erinnerungskultur finden, ergänzte Niebuhr. „Sie sind verantwortlich dafür, dass sich so etwas nicht wiederholt“. Wie die heutige Generation dem Thema Holocaust begegnen kann, dieser Frage stellte sich Lukas Dalpke in seinem selbstverfassten Vortrag. Begleitet wurde er dabei an der Geige von Felix Langemann. Weitere Musikbeiträge und eine Kunstausstellung umrahmten die Gedenkveranstaltung. Neuere Kinder- und Jugendbücher zum Thema Holocaust hatte außerdem der Deutsch-LK auf einem Büchertisch zusammengestellt.

Das komplette Programm der Gedenkfeier mit allen Beteiligten finden Sie hier!

Bilder der zentralen Gedenkveranstaltung am 27.01.2015